3 Monate Fitchburg/MA

Fitchburg 09

Fortsetzung

Dienstag morgen bin ich anstatt wie geplant um 9 gegen 7 aufgestanden, da die Waschmaschine repariert wurde und ich sonst ggf. nicht hätte duschen können. Nach Duschen, langsamem Wachwerden und ausgiebigen Frühstück waren dann Mama und Papa gegen 9:25 hier und haben mich abgeholt. Nachdem wir dann auch noch Lorena abgeholt hatten, die wir eingeladen hatten, mitzukommen, sind wir mit dem Zug um 10:30 nach Boston gefahren. Interessant war dabei der Fahrkartenverkäufer, der uns wohl absichlich ein wenig missverstanden hat, aber was solls.

Nach ungefähr 80 Minuten sind wir also in Boston am TD Banknorth Garden, dem Stadion der ansässigen Basketball- und Eishockeymannschaften angekommen, was mich schon ein wenig erstaunt hat. Der Bahnhof endet praktisch direkt im Stadion. Ich habe natürlich sofort ein paar Fotos gemacht, aber Papa hat uns über den Freedom Trail zu einem Museumsshop und dann zur Fähre getrieben, die uns in die Innenstadt bringen sollte. Nach einem ca. 1 Kilometer langen Fußmarsch haben wir das Museum erreicht, wo ich eine Mütze, einen Keks und eine Dose Cola gekauft habe. Eine halbe Stunde waren wir in etwa in dem Laden, da wir auf die Fähre warten mussten. Dann sind wir oben aufs Schiff, von wo aus man die ganze Bostoner Skyline sehen konnte. Auch wenn ich gegen das Licht fotographieren musste, habe ich bestimmt 30 Fotos davon gemacht. Toller Anblick. Nach der Ankunft sind wir dann am Old State House vorbei zu einem richtigen kleinen Einkaufs- und Touristenzentrum - dem Quincy Market - gegangen, wo wir neben chinesischem Essen auch noch allerhand Kleinigkeiten gekauft haben. Mama war wohl am meisten fasziniert vom Weihnachtsladen, der das ganze Jahr über Weihnachtsschmuck verkauft. Ich finde, wer im März schon wieder Lust auf Weihnachten hat, der ist verrückt, aber sowas ist halt typisch amerikanisch kitschig. Ich bin mit einer Sonnenbrille durch die Shoppingflut gekommen, aber für 5$ konnte man da auch nicht meckern. Gekauft hätte ich sie mir trotzdem nicht, wenn Mama nicht gedrängt hätte. Ich hatte ja die Mütze als Souvenir

Dann war irgendwann der Tag schon wieder halb um und nach einem Besuch im Buchladen mussten wir dann zurück zum Bahnhof - dieses Mal mit der U-Bahn. 

Das ganze Prozedere wiederholte sich - gegen 7 Uhr waren wir wieder in Fitchburg, wo es schon stockfinster war. Papa stellte dann im Parkhaus fest, dass er das Bezahlen vergessen hatte, sodass der Werbeflyer auf der Frontscheibe für ihn einen echten Schock darstellte. (er dachte es wäre ein Knöllchen). Dann haben wir Lorena wieder bei ihrer Gastfamilie abgesetzt und sind zu Familie Timms gefahren, die ich ja schon aus Berlin kannte, wo wir im Frühling mit ihnen waren. Dort sollte es Hummer geben - das war mir schon vorher nicht so ganz geheuer. Als das Essen dann auf den Tisch kam, besser gesagt schon vorher, wo ich gesehen habe, wie die Dinger gekocht wurden, wurde mir ein wenig mulmiger als ohnehin schon. Mit dem ersten Bissen wusste ich, dass ich die Dinger nicht essen konnte. Schmeckte zwar wirklich gut (kein Scherz), aber ich habe davon leider einen Brechreiz bekommen. Kann nicht erklären warum, aber es war so. Schade. Sollen verglichen zu anderen Hummern sogar sehr gute gewesen sein. Da es aber leckeres Brot gab und Salat, nachher sogar noch Eis war ich gut versorgt. Mama und Papa hats auch gefreut, da die anscheinend sehr gerne Hummer essen und so meinen auch noch komplett aufessen konnten. Nach dem Essen haben wir mir dann ein Bett oben in Mamas und Papas Gästezimmer gebaut. Nach einer erstaunlich komfortablen Nacht war ich dann um halb 9 unten zum frühstücken. Den schönen Garten der Familie konnte ich dann auch das erste Mal bewundern. Das Wetter draußen war trotzdem atemberaubend schlecht was uns nicht davon abhielt unseren geplanten Trip nach North Adams durch die sich verfärbenden Blätter durchzuziehen. Das Einzige, was uns ein wenig aufhielt war ein etwas längeres Gespräch beim Frühstück über Gott und die Welt. Dennoch waren wir um 10 auf der Straße. Das Wetter war auf einmal auch besser. Wir haben also einige sehr schöne Fotos machen können an einem Fluß der inmitten von orange-rötlichen Wäldern sehr idyllisch wirkte.

Normalerweise ist Auto fahren ja langweilig, aber hier machte die 2 Stunden lange Fahrt wirklich Spaß. In North Adams angekommen hatten wir dann im Museum Mittagessen und Papa hat sich noch die Kunstwerke innen drin angeguckt, was wir uns gespart haben. 

Wie die Zeit so schnell vergangen ist, weiß ich gar nicht mehr genau, jedenfalls waren wir nicht vor 18:10 wieder in Ashburnham bei Familie Timms wo ich mich noch fürs Abendessen mit Mr.Ravanelle und Antonucci umziehen musste. Ich habe dann auch noch alle meine Sachen mitgenommen, da ich ja nach dem Abendessen wieder zurück zur Familie Thissen musste (Tags darauf war ja Schule). 

Das Essen im Fay Club war ausgesprochen gut. Selbst ich mochte auf einmal Rindfleisch. Den Nachtisch kann man gar nicht beschreiben. Der Fay Club an sich ist aber kein Restaurant, sondern ein exklusiver Club für die 50 wichtigsten Leute von Fitchburg wie es mir schien. Ich traute mich nicht mal, mich zu bewegen (immerhin war ja der College-Direktor und der Direktor der Schulen in Fitchburg am Tisch - auch wenn ich den schon mal vorher getroffen hatte). Mir war das ganze Essen etwas zu exklusiv, da wir auch alleine in dem riesigen Laden saßen. Ich war jedenfalls froh, als wir fertig waren. Ich habe also tschüs gesagt und war dann ca. um 9 wieder bei meiner Gastfamilie nach 2 Tagen. Die Baustelle Wohnzimmer hatte Fortschritte gemacht. Nach ein paar Gesprächen was wir gemacht hatten, bin ich gegen 11 dann endlich ins Bett gekommen. Schule am nächsten Morgen war wieder recht alltäglich - ich habe mein Zeugnis für den ersten Monat bekommen, wo ich in Englisch eine 1, in Mathe eine 2, in Geschichte eine 2+ und in MS Office eine 1 habe. Das werde ich im zweiten Monat vielleicht nicht halten können, aber das macht mir nichts. Ein Zeugnis, das gut ist, in Deutschland zum Zeigen reicht ja. Meine Noten sagen ja schon viel über den Schwierigkeitsgrad aus, auch wenn mir die Atmosphäre der Schule besser gefällt als in Deutschland. 

 Donnerstag abend war ein Fußballspiel im Fernsehen zwischen unserer Mannschaft und Leominster. Ich habe zwar nicht gespielt, aber ich war immerhin Balljunge, sodass man mich 90 Minuten live im Fernsehen hin- und herrennen sehen konnte. Da wir aber 7:1 verloren haben, habe ich im Spiel selbst auch nichts verpasst - ich als Torwart hätte also eh keinen schönen Job gehabt.

Freitag morgen wieder aufstehen um 6 - das ist wirklich eine Sache, auf die ich mich in Kleve freue: aufstehen um 7:15. In der Schule hier hat man auch immer das Gefühl man schläft fast ein. Mir fehlt morgens einfach das Fahrrad fahren, mit dem ich meinen Kreislauf etwas in Schwung bringe. Viele Schüler schlafen tatsächlich in der ersten Stunde ohne das die Lehrer groß was sagen würden. Das zieht sich durch den ganzen Tag. In jeder Stunde schlafen mal ein paar ein. Ich habe das Problem mit der Müdigkeit nur in der 1. Stunde. 

Nachmittags war das erste Mal Fußballtraining ohne meinen Gastvater, der das erste Mal seit 3 Monaten wieder einen Auftrag mit seiner Firma hatte. Der Assistenztrainer, Herr Olson hat also ein paar Kopfbälle mit uns geübt und dann ein Freundschaftsspiel gemacht in dem ich mich am Steißbein verletzt habe. Ich wusste gar nicht dass so ein kleiner Knochen so weh tun kann, aber mittlerweile geht es wieder. Dann war endlich Wochenende. Am Abend sind mein jüngerer Gastbruder und ich wieder zum zweiwöchentlichen Footballspiel gefahren, wo Fitchburg 26:12 verlor. Schien keinen wirklich zu interessieren. Das war auch schon ungefähr der Freitag. Nachdem wir zuhause waren haben wir noch etwas fern gesehen und dann war auch schon Samstag. Den Samstag habe ich morgens mit Fußball am Livestream verbracht. Deutschland spielte ja gegen Russland und dann habe ich das Spiel im Internet verfolgt. Im Fernsehen hat man anstattdessen Azerbaijan gegen Liechtenstein gezeigt. So ein Schwachsinn. Als meine Gasteltern vom Einkaufen zurückkamen waren sie wieder mit Renovieren beschäftigt, sodass ich den größten Teil des Samstags bis 14:30 vorm PC verbracht habe. Um 14:30 sind wir dann zur Schule, da wir gegen Worcester South ein Fußballspiel hatten. Es kursierten Gerüchte darüber, dass die Mannschaft einen Spieler aus Ghana hatte, der der Beste Spieler hier in dem Gebiet in den letzten 10 Jahren sein sollte. Ich dachte: Ghana - kann man leicht erkennen, wird ja nicht so viele Schwarze geben. Dann kam der Bus der Mannschaft an und ich sah, dass ich mich geirrt hatte. Bis auf den Torwart war ausnahmslos JEDER Spieler afrikanischer Herkunft. Unorganisiert, typisch afrikanisch, stürmend hatten wir sie die erste Halbzeit einigermaßen im Griff und lagen sogar 2 mal in Führung. Am Ende drehten die dann völlig auf und rannten wie verrückt. Konditionell waren die haushoch überlegen, sodass sie viel zu hoch mit 7:2 gewannen. Ich war verletzt (Steißbein) und habe mich daher geschont und nicht gesipelt. Der berüchtigte Superspieler hat dabei einen Fallrückzieher und einen 20 Meter-Hammer gehabt und insgesamt noch 2 Vorlagen. 

Der Abend wurde wieder mit Renovieren und Fernsehen verbracht. Gestern morgen war ich wieder alleine. Wo genau alle hin waren weiß ich nicht, jedenfalls war nur der jüngere Bruder ab und an da, aber er hat auch lange geschlafen. Gegen 2 trudelten dann alle wieder ein. Es kam auch ein Freund des älteren Bruders für 20 Minuten in denen dann nur über Baseball geredet wurde. Dann habe ich mir selbst Nudeln gemacht (ich sollte mir was machen wenn ich Hunger habe, während die renovieren) und dann kam der nächste Freund des Bruders. Er hatte mit seinen Eltern gewettet, dass er sich von Matthew die Haare schneiden lassen würde und das tat er auch. Mit dem Rasierer einen Maschinenhaarschnitt 1,5 Zentimeter. Sah aber nicht schlecht aus. Abends sind wir dann Pizza essen gegangen (obwohl wir eigentlich geplant hatten, Steak zu essen, aber der Laden in den wir wollten, war zu). Heute ist ein Feiertag, sodass wir langes Wochenende haben. Bis auf diesen ellenlangen Blogeintrag habe ich heute noch nichts Produktives gemacht.

Schönen Gruß an alle

Tobias 

Freitag waren übrigens natürlich noch Mama und Papa in der Schule um tschüs zu sagen. Abends ging ja der Flieger, sodass ich aus dem Englischunterricht hinausgerufen wurde um mich noch mal zu verabschieden. Habe ich in meinen bisherigen Schilderungen ganz vergessen. 

12.10.09 18:39

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